Besitz und Genuss

gedanken, Minimalismus

Hey du!

Letzte Woche war ich vier Tage in einem Welness Hotel. Wir machen das jedes Jahr mit der ganzen Familie in den Herbstferien. Und mein Onkel  konnte es dieses Jahr nicht lassen, mich des Öfteren damit aufzuziehen, dass ich doch vor lauter Minimalismus eigentlich auf der Kuhweide hinter dem Hotel übernachten müsste. Dazu ein paar Worte.

Im Leben gibt es zwei Sparten von Dingen, die man sich kaufen kann, mal abgesehen von dem, was fürs überleben notwendig ist. Da wäre einmal alles, was wir besitzen. Viel Kleidung, teure Autos, das neuste Smartphone. Und dann gibt es die Dinge, die wir nur für den Genuss kaufen. Ein Essen im Lieblingsrestaurant, ein Ticket für eine Kunstgalerie und – einen Urlaub.

Der Minimalismus schließt den Besitz aus, nicht aber den Genuss. Ich kaufe fast jeden Tag einen coffee to go, mein Backpacking Urlaub in Norwegen war unglaublich teuer und ich will gar nicht wissen, wie viel meines Geldes ins Essen fließt

Das beste Beispiel für meinen Sinn für Minimalismus ist an dieser Stelle wahrscheinlich mein Handy. Seit etwa zwei Jahren bin ich Besitzerin eines alten Sony Modells, das billig war, aber eigentlich alles konnte was ich brauchte. Vor einem halben Jahr etwa ist mein Display gesprungen. Und zwar so gesprungen, dass es aussah, als hätte ich es mit dem Vorschlaghammer bearbeitet. So richtig gesprungen.

Ich habe eine Folie drauf geklebt, damit es nicht auseinander fiel und mir vorgenommen ein neues zu kaufen. Es hatte in letzter Zeit eh schon oft nervige Aussetzer gehabt. Doch dann kam der Minimalismus ins Spiel und plötzlich hatte ich es gar nicht mehr so eilig viel Geld für ein Smartphone auszugeben. Einfach, weil ich gemerkt habe, dass mir ein tolles Handy gar nicht wichtig ist.

Umso interessanter waren die Leute um mich herum. Es scheint, als wäre so ein kaputtes Display wirklich etwas lebensveränderndes, denn du weißt  ja gar nicht wie oft ich darauf angesprochen wurde. Wenn meine Mom dabei war, bemerkte sie dann immer halb stolz, halb belächelnd “ Ja das macht sie doch jetzt so wegen dem Minimalismus.“

Wie auch immer, nach einem halben Jahr inclusive Backpacking Urlaub in Norwegen, war mein ach so kaputtes Handy entgegen der allgemeinen Erwartungen noch tip top. Bis zu dem Tag, als dann auch noch die Kamera nicht mehr funktionierte. Eine Woche versuchte ich es ohne, dann gab ich es auf. Im Keller fand ich das alte Samsung Galaxy s3 von meinem Dad und jetzt habe ich zwar keine Chatverläufe mehr auf Whatsapp, dafür aber ganz viel Speicherplatz, eine Kamera und ein fast ganzes Display.

Ob ich darüber nachdenke ein neues zu kaufen? Nein.

Ich glaube Besitz ist belastend. Man muss sich um ihn kümmern, man muss sich oft um ihn Sorgen machen, man verschwendet sehr viel Zeit mit seinen Besitztümern, in der man auch etwas machen könnte was man richtig genießt. Deshalb bin ich auch der Meinung, dass man seinen Besitz sehr sorgfältig auswählen sollte, um sich nicht zu viel aufzuladen und um nur das zu besitzen, was man wirklich braucht und was einem nachhaltig Freude macht.

Bei Genuss dagegen ist es anders. Da man logischerweise nur Geld für Genuss ausgibt, den man gerne mag, ist man dann in diesem Moment glücklich über das, wofür man sein Geld ausgegeben hat. Man freut sich über das leckere Essen, man genießt die Sauna im Spa des Hotels. (zum Thema, dass Genuss auch misslingen kann, ein anderes mal mehr…) Und dann ist der Moment vorbei und man erinnert sich zurück an die schöne Zeit am Strand oder an die tolle Stimmung am Konzert. Das wars. Man muss sich um den Genuss nicht weiter kümmern. Mit dem Moment und der Erinnerung muss man nichts mehr machen. Es kostet keinen Aufwand mehr.

Ich hoffe du kannst es jetzt nachvollziehen wenn ich sage, das Besitz einengt und Energie kostet, Genuss dagegen nicht.

In meinen anfänglichen Minimalism Blogposts habe ich oft genug erwähnt, wie ich meinen Besitz rausgeworfen habe, meine Ausgaben für Genuss dagegen sind im letzten halben Jahr drastisch angestiegen. Denn der Genuss vermag etwas, was der Besitz meist nicht kann. Er macht glücklich ohne nachträglich einzuengen und ungewollte Folgen mitzubringen.

(Lieber Onkel Markus, wenn du das hier liest hast du hoffentlich auch verstanden, warum ich eben nicht auf der Kuhweide gezeltet habe…)

Und damit mich hier keiner missversteht: auch ich gebe Geld für Besitz aus. Denn es gibt natürlich Dinge (vor allem Kleidung und Einrichtungsgegenstände), die ich sehr gerne besitze, und an denen ich mich immer wieder erfreuen kann! Mehr dazu aber in einem anderen Post.

Stay tuned!

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